Glossar

Binarität, binär

Binär bedeutet, dass etwas in genau zwei sich gegenseitig ausschließenden Gegensätzen gedacht wird. Also dass es Geschlecht nur entweder als „männlich“ oder „weiblich“ gibt, und jeweils das eine das Gegenteil des anderen darstellt.

Diskriminierung

bezeichnet eine abwertende, benachteiligende, ausgrenzende oder illegitime Ungleichbehandlung aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen Gruppenzugehörigkeiten. Das können z.B. Geschlechtsidentität, rassistische Zuschreibungen, Religion, sozialer Status u.v.m. sein.

Dabei ist es egal, ob Diskriminierung absichtlich und mit einem Ziel erfolgt oder Ergebnis von nicht bewusst gemachten Einstellungen oder Haltungen ist. Diskriminierungen sind nicht immer offensichtlich, sondern laufen im Alltag oft subtil und für die Betroffenen nicht sofort erkennbar oder nachweisbar ab.

DSD – Disorders of Sex Development

Der medizinische Begriff DSD – Disorders of Sex Development (Störung der geschlechtlichen Entwicklung), der 2006 als Oberbegriff für verschiedene „intersexuelle Syndrome“ etabliert wurde, unterstellt mit dem Begriff der „Störung“, dass einige Variationen menschlicher Körper normaler und somit wünschenswerter seien als andere. Körper, die nicht als normal angesehen werden, gelten aus dieser Perspektive als „untypisch“ und „gestört“. Als eine Folge dieser Auffassung werden „falsch ausgebildete“ Genitalien bereits kurz nach der Geburt oder im Kleinkindalter operativ „korrigiert“. Aus Sicht intergeschlechtlicher Aktivist_innen ist dies nicht mit den allgemeinen Menschenrechten vereinbar.

Geschlecht

Mit Geschlecht bezeichnet man die jeweilige Ausstattung menschlichen Körper mit primären (alles, was schon bei Geburt da ist, z.B. Klitoris/Penis) und sekundären (alles, was sich in der Pubertät entwickelt, z.N. Haarwuchs, Muskelmasse) Geschlechtsmerkmalen. Im Zweigeschlechtersystem gibt es nur zwei menschliche Geschlechter, nämlich “Mann” und “Frau”, mit bestimmten, klar voneinander getrennten Anordnungen der Geschlechtsmerkmale.

Außerdem besagt das Zweigeschlechtersystem, dass Menschen mit einem sogenannten “männlichen” Körper eine “männliche” Geschlechtsidentität haben, sich also “als Mann” fühlen und Menschen mit einem “weiblichen” Körper eine “weibliche” Geschlechtsidentität bzw. sich “als Frau” fühlen. Es gibt aber intergeschlechtliche Menschen, die ganz andere körperliche Anordnungen haben und transgeschlechtliche Menschen, die z.B. einen normgerechten Körper haben können, aber nicht die normgerechte Geschlechtsidentität dazu.

Geschlechtsidentität

Das innere Wissen und/oder Gefühl, dass man weiblich, männlich, trans*, zwischen der Geschlechtern, jenseits der Geschlechter, weder-noch usw. ist. Die Geschlechtsidentität ist unabhängig vom Körper. Menschen, deren Körper der Norm für eine bestimmte Geschlechtsidentität entsprechen, gehen häufig davon aus, dass beides automatisch zusammengehört (z.B. wenn ein Mensch mit einem Körper, der von seinem Umfeld als “männlich” eingestuft wird, auch eine männliche Geschlechtsidentität hat).

Herm

Kurz für Hermaphrodit. Selbstbezeichnung intergeschlechtlicher Menschen. Der Begriff wird dabei wie Zwitter von einer Beleidigung in eine selbstbewusst verwendete Eigenbezeichnung umgewandelt.

Hermaphrodit, Hermaphroditismus

Der historisch älteste Begriff für Intergeschlechtlichkeit, der auf den antiken Mythos des Hermaphroditos zurückgeht. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde er zusammen mit Zwitter/Zwittrigkeit als Hauptbegriff für Körper verwendet, die sich nicht in die Norm von sogenannten “männlichen” oder “weiblichen” Körpern einordnen lassen. In der Medizin war der Begriff bis vor wenigen Jahren noch gebräuchlich.

Heterosexuell

Wenn du Menschen attraktiv findest, die eine andere Geschlechtsidentität haben als du, dann bezeichnest du dich eventuell als heterosexuell. Das Wort geht, wie homosexuell, davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt, nämlich Männer und Frauen. Da es aber nicht nur zwei Geschlechter gibt, sondern eine ganze Vielfalt von körperlichen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten, Inter*, Trans*), haben sich neue Wörter entwickelt, die sich mehr auf Vielfalt beziehen, wie zum Beispiel pansexuell, omnisexuell. Siehe auch Sexuelle Orientierung

Homosexuell

Wenn du Menschen attraktiv findest, die die gleiche Geschlechtsidentität haben wie du, dann bezeichnest du dich eventuell als homosexuell. Das Wort geht, wie heterosexuell, davon aus, dass es nur zwei Geschlechter gibt, nämlich Männer und Frauen. Da es aber nicht nur zwei Geschlechter gibt, sondern eine ganze Vielfalt von körperlichen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten, Inter*, Trans*), haben sich neue Wörter entwickelt, die sich mehr auf Vielfalt beziehen, wie zum Beispiel pansexuell, omnisexuell. Siehe auch Sexuelle Orientierung

Inter

Inter* (meist mit *) ist ein Begriff, der sich aus der Community entwickelt hat, und der als ein emanzipatorischer und identitärer Überbegriff die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten bezeichnet. Der Begriff kommt, wie auch Intergeschlechtlichkeit, aus dem menschenrechtsorientierten Inter-Aktivismus. Inter* ist ein Schirmbegriff für intergeschlechtliche bzw. intersexuelle Menschen, Hermaphroditen, Zwitter und Herms. Das Sternchen (*) steht für die genannten und weitere mögliche Selbstbezeichnungen.
Der Begriff inter* (bzw. intergeschlechtlich) wird verwendet, wenn ein Mensch genetisch (aufgrund seiner Geschlechtschromosomen) und/oder anatomisch (aufgrund seiner Geschlechtsorgane) und/oder hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig den Normen, die für das weibliche oder männliche Geschlecht festgelegt wurden, entspricht. Man kann auch sagen: Intergeschlechtlichkeit (oder Inter*) bezeichnet Menschen, deren genetische, hormonelle oder körperliche Merkmale weder ausschließlich männlich noch ausschließlich weiblich sind, sondern gleichzeitig typisch für beide oder nicht eindeutig als eins von beiden definiert sind. Diese Merkmale können sich in den sekundären Geschlechtsmerkmalen wie Muskelmasse, Haarverteilung, Brüsten und Statur, in den primären Geschlechtsorganen wie den Fortpflanzungsorganen und Genitalien und/oder in chromosomalen Strukturen und Hormonen zeigen.
Inter* kann [auch] eine Geschlechtsidentität sein, muss aber nicht. Inters* können auch eine männliche, weibliche oder trans* Identität haben.

Intergeschlechtlichkeit, intergeschlechtlich

Ein anderes Wort für Intersex (s. auch Inter*), ins Deutsche übertragen, in der Menschenrechtsbewegung und in Abgrenzung zu den pathologisierenden Begriffen entstanden.

Intersex

International gebräuchlicher Begriff aus dem menschenrechtsorientierten Inter*-Aktivismus. Nicht zu verwechseln mit dem ehemaligen medizinischen englischen Begriff intersexuality/intersexual oder deutsch Intersexualität/intersexuell. Im Augenblick etabliert sich als Bezeichnung auch der Begriff Inter*.

Intersexualität, intersexuell

Medizinischer Sammelbegriff, unter dem verschiedene Erscheinungsbilder und sogenannte Syndrome subsummiert werden. Ursprünglich 1915/16 geprägt von dem Genetiker Richard Goldschmidt um zu betonen, dass auch bei der Ausbildung der menschlichen Geschlechtsmerkmale eine „lückenlose Reihe“ geschlechtlicher Zwischenstufen zwischen „weiblich“ und „männlich“ existiert. Der Begriff wurde 2006 in der medizinischen Begrifflichkeit international durch DSD ersetzt, ist aber in vielen Zusammenhängen immer noch gebräuchlich. Der Begriff intersexuell wird auch von intergeschlechtlichen Menschen als (neutrale) Eigenbezeichnung verwendet.

Lesbisch

Wenn du eine weibliche Geschlechtsidentität hast und Menschen attraktiv findest, die die gleiche Geschlechtsidentität haben wie du, dann bezeichnest du dich eventuell als lesbisch. Wenn es dir egal ist, welche Geschlechtsidentität die Person hat, die du attraktiv findest, dann bezeichnest du dich eventuell als pansexuell (omnisexuell) oder bisexuell.

Norm, Normen, Normierung

Normen legen fest, welche Eigenschaften als „normal“ angesehen werden. In der Sprache und Kunst drückt sich das z.B. darin aus, dass Abweichungen von dem, was als normal angesehen wird, benannt werden, während die „normalen“ Eigenschaften stillschweigend vorausgesetzt werden. Dadurch werden die Normen immer wieder bestätigt. Z.B. wird nicht gesagt: „Der heterosexuelle Bürgermeister“, aber „der schwule Bürgermeister“. Es gibt Normen in Bezug auf verschiedene menschliche Eigenschaften, z.B. Körper, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Fähigkeiten. Normierung bedeutet, dass etwas den bestehenden Normen angepasst oder in diese hineingezwungen wird. Normierungen sind nicht „neutral“, sondern bedeuten eine Hierarchisierung, in der die „Abweichungen“ von der Norm als nicht so wichtig betrachtet, ignoriert, abgewertet, bestraft, tabuisiert werden. Auch in der Medizin werden Normen festgelegt, z.B. indem bestimmt wird, welche Genitalien als „normal“ angesehen werden und welche somit auch als nicht-normal und damit krank, gestört und behandlungsbedürftig erachtet werden.

Pathologisierung, pathologisieren

Pathologisierung wird hier im umfassenden Sinn für den Umstand verwendet, dass ein körperliches Erscheinungsbild als krankhaft und gestört gilt, weil es vom medizinisch definierten Normzustand abweicht, ohne dass die betroffene Person ihren Körper als gestört wahrnimmt oder erlebt. Pathologisierung findet u.a. dann statt, wenn über den Kopf der betroffenen Person hinweg ein körperlicher Zustand als behandlungsbedürftig definiert wird, ohne dass dieser Zustand tatsächlich im engen medizinischen Sinn eine akute Gefahr für Leib und Leben darstellt.

Queer

Die zweigeschlechtliche heterosexuelle Norm ablehnend. Als zweigeschlechtliche Norm bezeichnen wir die gesellschaftliche Vorgabe, dass jeder Mensch entweder männlich oder weiblich ist, sowie Vorstellungen davon, welche Eigenschaften mit dem jeweiligen Geschlecht einhergehen. Dabei werden die beiden Geschlechter als Gegensätze angesehen und ein heterosexuelles Begehren vorausgesetzt. Queer wird häufig auch im Hinblick auf Sexuelle Orientierung verwendet und ist dann ein anderes Wort für lesbisch, schwul, bisexuell, pansexuell etc.

Schwul

Wenn du eine männliche Geschlechtsidentität hast und Menschen attraktiv findest, die die gleiche Geschlechtsidentität haben wie du, dann bezeichnest du dich eventuell als schwul. Wenn es dir egal ist, welche Geschlechtsidentität die Person hat, die du attraktiv findest, dann bezeichnest du dich eventuell als pansexuell (omnisexuell) oder bisexuell.

Sternchen

Das Sternchen “*” anerkennt und zeigt an, dass körperlich und psychisch nicht nur die Pole “männlich” und “weiblich” existieren, sondern ein ganzes Kontinuum von Geschlecht und Geschlechtsidentitäten. Beispiel: Schüler*innen, Lehrer*innen, Pädagog*innen. Siehe auch Unterstrich.

Stigmatisierung, stigmatisiert

Als Stigma wird bezeichnet, dass eine Eigenschaft auf unerwünschte Weise von dem abweicht, was die Allgemeinheit erwartet. Indem die Allgemeinheit bestimmt, was zu erwarten ist und was entsprechend als Abweichung betrachtet wird und ebenso bestimmt, welche Abweichungen als „unerwünscht“ gelten, werden Individuen, die diese Eigenschaften haben, stigmatisiert. Der ganze Vorgang heißt Stigmatisierung. Mit einer Stigmatisierung gehen Diskriminierungen und weiteres Unrecht einher.

Syndrom

Syndrom bedeutet in der Medizin und Psychologie, dass mehrere Symptome (sogenannte „Krankheitszeichen“) vorliegen. Wenn etwas als Syndrom bezeichnet wird, wird also ausgedrückt, dass der Mensch als „krank“ erachtet wird.

Trans

Oder meistens Trans*. Das Sternchen ist ein Platzhalter für beliebige Endungen. So steht Trans* gleichzeitig für transsexuell, transgender, Transmann, Transfrau, usw. Mit Trans* bezeichnen sich sowohl Menschen, die in einem anderen Geschlecht leben, als ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, als auch Menschen, die sich gar nicht einer Geschlechterkategorie zuordnen, die Geschlechter wechseln oder sich mehreren Geschlechtern zugehörig fühlen. Wichtig ist, dass unter den Begriff Trans* somit sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Selbstdefinitionen und Biografien fallen, die nicht unbedingt dieselben Erfahrungen teilen oder dieselben Interessen verfolgen.

Transgeschlechtlichkeit

ist ähnlich wie trans* ein bewusst weit gehaltener Begriff, der betonen will, dass es weder vorrangig um Körper (sex) noch um Rolle (gender), sondern um Geschlechtlichkeit in einem weiten ganzheitlichen Sinne geht.

Transgender

Im engeren Sinne (dann oft in Abgrenzung zu -Transsexuellen) Selbst- oder Fremdbezeichnung von Menschen, die sich nicht (nur) mit dem Geschlecht , das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde, identifizieren, die dem Zwei-Geschlechter- System kritisch gegenüberstehen und die häufig andere Wege der Geschlechtsveränderung/ -angleichung wählen, als die, die das medizinische TRanssexualitätsmodell vorsieht. Im englischsprachigen Raum wiederum wird der Begriff Transgender häufig als Oberbegriff verwendet, um alle Formen und Möglichkeiten mit zu meinen.

Transidentität

Alternative zum älteren und bekannteren Begriff  -Transsexualität, die deutlich macht, dass es sich um eine Frage der Geschlechtsidentität und nicht um eine Frage der Sexualität handelt.

Transition

bezeichnet den Übergang von einer Geschlechtskategorie in eine andere. Der Begriff setzt sich langsam durch, da Begriffe wie „Geschlechtsumwandlung“ oder „Geschlechtswechsel“ suggerieren, eine Person würde erst im Prozess zu dem Geschlecht werden, dass sie empfindet. „Geschlechtsangleichung“ impliziert eine verborgene Wahrheit von Geschlecht („im falschen Körper“), was sich für einige Trans*personen richtig anfühlt und für andere nicht. Man kann zwischen rechtlicher, physisch/medizinischer und sozialer Transition unterscheiden.

Transsexualität

Ein in Recht und Medizin üblicher Begriff für Trans* oder Transgeschlechtlichkeit. Als Selbstbezeichnung wird dieser Begriff zunehmend weniger verwendet, eher von Menschen, die sich eindeutig als dem „Gegengeschlecht“ angehörend erleben. Andere lehnen diesen Begriff wegen seiner Geschichte als medizinsiche und pathologisierende Femdbezeichnung udn seiner Nähe zur psychiatrischen Diagnose ab. Auch die irreführende Nähe zu Sexualität -hier besondes der sexuellen Orientierung, führt zur Ablehnung.

Unterstrich

Der Unterstrich “_” anerkennt und zeigt an, dass körperlich und psychisch nicht nur die Pole “männlich” und “weiblich” existieren, sondern ein ganzes Kontinuum von Geschlecht und Geschlechtsidentitäten. Beispiel: Schüler_innen, Lehrer_innen, Pädagog_innen. Siehe auch Sternchen.

Vielfalt der Geschlechter, Vielfalt von Geschlecht

Auch wenn man bislang in der Schule lernt es gebe nur zwei Geschlechter, nämlich Mann und Frau: Es stimmt nicht. Die Menschheit besteht aus einem Verlauf von körperlichen Geschlechtern und Geschlechtsidentitäten).

Zweigeschlechtersystem

Im Zweigeschlechtersystem gibt es nur zwei menschliche Geschlechter, nämlich “Mann” und “Frau”, mit bestimmten, klar voneinander getrennten Anordnungen der Geschlechtsmerkmale. Außerdem besagt das Zweigeschlechtersystem, dass Menschen mit einem sogenannten “männlichen” Körper eine “männliche” Geschlechtsidentität haben, sich also “als Mann” fühlen und Menschen mit einem “weiblichen” Körper eine “weibliche” Geschlechtsidentität bzw. sich “als Frau” fühlen.

Dieses System ist das, das im Augenblick den meisten von uns beigebracht wurde und wird. Es gibt aber intergeschlechtliche Menschen, die ganz andere körperliche Anordnungen haben und transgeschlechtliche Menschen, die z.B. einen →normgerechten “männlichen” Körper haben können, aber nicht die normgerechte Geschlechtsidentität “männlich” dazu oder einen normgerechten “weiblichen” Körper, aber keine weibliche Geschlechtsidentität.

Zwitter

Altertümlicher Begriff, der ein doppelgeschlechtliches Wesen bezeichnet. Im deutschsprachigen Raum ein Wort, das jedmensch auf Anhieb kennt. Obwohl es häufig beleidigend benutzt wird, beschreibt es zum einen in der Tier- und Pflanzenwelt die Fähigkeit gleichzeitig befruchten und befruchtet werden zu können.
In der Inter*-Gemeinschaft wird das Wort als Selbstbezeichnung positiv belegt und wiederangeeignet (ebenso wie Herm – kurz für Hermaphrodit).